Das Bryggeloftet ist direkt in Bergen am Hafen gelegen, in einem der schönen, bunten und vermeintlich auch alten Hansehäuser. Vermutlich aus dieser Tatsache heraus, verbunden mit der Info, dass Bergen normalerweise die 20 Grad Marke nicht überschreitet, meistens sogar darunter liegt, ist wohl klar, warum mein erster Eindruck so war, wie er war. Scheiße, ist das heiß und stickig hier. Luftfeuchtigkeit von gefühlten 95% verbunden mit einer Außentemperatur von rund 30 Grad, in einem sehr gut isolierten Restaurant, haben dazu geführt, dass ich mich gefühlt habe, wie in einem Terrarium, und eigentlich direkt wieder rauswollte. Das Ambiente war sonst allerdings fein, viel schönes dunkles Holz, Elemente aus der Seefahrt und Hansezeit an der Wand, ein paar schöne Gemälde.
Das hat sich jedoch schnell erledigt, nachdem uns die Bedienung des Abends empfangen hat. Eine Dame im durchaus gehobenen Alter, mit mittelmäßigem Englisch, aber einer Ausstrahlung, wie sie nur eine Oma haben kann. Und das kann ich vorwegnehmen. Dieses Gefühl, dass mich gerade meine, zumindest aber eine Oma eines sehr guten Freundes bedient, hat sich für den ganzen Abend durchgezogen. Sie hat uns bemuttert, ist immer wieder vorbeigekommen, hat mit uns gequatscht, uns gratis Wein eingeschenkt und unseren Besuch absolut rund gemacht.
Wir sind jedoch nicht für den Service, sondern für das Essen in das Restaurant gegangen. Also kommen wir mal dazu. Eine Vorspeise hatte ich nicht, stattdessen hat mich ein anderes Gericht direkt beim ersten Anschauen der englischen Karte angelacht. Moules Frites. Eins meiner absoluten Lieblingsgerichte, und meistens mein erster Pick, wenn es das Gericht auf der Karte gibt. In der erweiterten Beschreibung stand, dass die Miesmuscheln entweder in einer Tomatensoße (wer mag das??) oder einer „creamy white wine sauce“ (richtige Art!) zubereitet werden. Ich wählte selbstverständlich die „Mussels with Fries in white wine Sauce“. Unsere Oma lobte mich für die Wahl, dass sonst seltenst junge Menschen Muscheln nehmen. Ein Lächeln erscheint auf meinen Lippen. Das Gericht kommt, wie üblich in einem der schwarzen Töpfe, in denen Miesmuscheln immer und überall auf der Welt zum Tisch gebracht werden. Ich öffne den Deckel und sehe dass die creamy white wine sauce wörtlich gemeint war. Tatsächlich war die Soße nicht einfach cremig, wie ich angenommen hatte, sondern mit Cream, also Sahne versetzt.
Das mag vielleicht ein Fehler auf meiner Seite gewesen sein, dass ich die Produktbeschreibung nicht richtig verstanden habe, jedoch finde ich, dass so ein Füllwort wie creamy auf einer Speisekarte, gleichzusetzen ist mit „knusprig“, „goldbraun“, oder „luftig“. Also einfach ein schönes Wort, um das Gericht noch mehr anzupreisen. Nicht, um tatsächlich die Zutat „Cream“ zu erwähnen.
Anyway, dieses Addon hat das Gericht für mich leider verschlimmbessert. Muscheln hatte ich definitiv schon bessere gegessen, sodass mich die Hauptspeise enttäuscht hat. Vor allem für den stolzen Preis von umgerechnet 37€ – Da hätte ich mehr erwartet. Die Pommes waren grundsolide, jedoch keine Offenbarung.
Als Nachtisch orderte ich noch eine Lemontarte sowie einen Glenfiddich Whiskey. Die Lemontarte war lecker, und mit einem flambierten Baiser serviert worden, das passte völlig. Der Whiskey war gut trinkbar, halt einer der Standardwhiskeys, dementsprechend war auch der Geschmack nicht super besonders.
Alles in allem kann ich sagen, dass der Besuch vor allem durch den hervorragenden Service nach oben katapultiert wurde, das Essen war wie gesagt Okay, aber gerade für den Preis kann man die These aufstellen, dass wir in eine Tourifalle gestiegen sind.
Für den Preis würde ich nicht nochmal wiederkommen, maximal um kurz der Oma Hallo zu sagen.
