Beim Figlmüller in Wien geschehen Zeichen und Wunder. Legenden werden geboren. In unserem Fall trat Ben als Rentner ein, und kam als Bezwinger wieder heraus. Doch dazu später mehr.
Der Figlmüller in Wien ist wohl das bekannteste Schnitzelrestaurant Wiens, wenn nicht sogar darüber hinaus. Der Ruf des legendären, über den Tellerrand hinausschauenden Schnitzels, eilt dem Restaurant, welches seit 1905 besteht, voraus. Ich schätze, dass die meisten, die sich schonmal mit dem kulinarischen Wien beschäftigt haben, auf dieses Etablissement gestoßen sind. Ich bin ehrlich. Ich war skeptisch, ob wir das Lokal überhaupt besuchen sollten, hatte ich doch Angst vor einer Wiederholung von Andy’s Krablergarten. Dennoch, ich wurde überzeugt hinzugehen, und so viel sei schonmal vorab gesagt, ich würde eines Besseren belehrt werden. Schon bei der Ankunft zeigt sich die Reputation, die der Figlmüller hat, so stand doch eine vermutlich 20 Meter lange Schlange vor dem Eingang. Da wir jedoch, schlaue Füchse die wir sind, rechtzeitig reserviert hatten, konnten wir diese Schlange einfach skippen. Drinnen wurden wir schnell platziert, das Ambiente um uns herum war schlicht aber schön. Die Wände waren mit dunkelgrünen Fliesen versehen, ansonsten hielt sich alles in einer schönen dunkelbraunen Holzoptik.
Der Kellner war schnell da und sehr freundlich, ich orderte das berühmte Figlmüller Schnitzel, welches aus Schwein gemacht wird, dazu der empfohlene Erdäpfel-Vogerlsalat mit Kernöl, zur Vorspeise eine Grießnockerlsuppe, und als Getränk einen Grünen Veltliner. Die Suppe kam zügig, und hat auch gemundet.
Danach war dann jedoch erstmal Stillstand. Bis unser aller Hauptgang kam, verging ordentlich Zeit, länger als anscheinend üblich ist. Unser aufmerksamer Ober gab gut hörbar Bescheid, dass man sich nach unserem Essen erkunden sollte. Kaum hatte er das ausgesprochen, kam unser Hauptgang. Allein der Eindruck, wenn man vor sich ein so schönes Schnitzel hat, welches über den wortwörtlichen Tellerrand hinausschaut, ist enorm. Vor uns lag eine Challenge, die mancher nicht gewachsen war.
Doch zunächst zum Geschmack. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich bisher kein Schweineschnitzel gegessen hatte, welches so zart war, so perfekt gewürzt, so eine gute Soufflierung hatte, so luftig war, solch eine tolle Farbe hatte. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieses panierte Stück Fleisch mein bisher bestes Schweineschnitzel hat. Ich betone das Wort „Schwein“ so, da keiner am Tisch ein Schnitzel vom Kalb hatte, von dem man hätte probieren können. Und da ein Kalbsschnitzel für mich nach wie vor das Nonplusultra in Sachen Schnitzel ist, behalte ich mir das beste Schnitzel noch für ein anderes Restaurant vor.
Auch der Beilagensalat, ein Erdäpfel-Vogerlsalat mit Kernöl (zu deutsch: Kartoffel-Feldsalat mit Kürbiskernöl), passte perfekt, und brachte eine angenehme Säure und Süße ins Spiel, welche sich mit dem salzigen und fettigen Schnitzel super ergänzte. Von der Menge her, hätte mir das Schnitzel auch ohne Salat gereicht, aber allein für den Geschmack war die Kombination sinnvoll.
Wie gesagt, die Herausforderung, das Schnitzel zu schaffen, war enorm, und alle am Tisch hatten damit zu kämpfen, der ein oder andere (Janosch, sorry my man) verlor diesen Kampf sogar. Doch ein Mann, von dem keiner gedacht hätte, dass er seine Portion schafft, wenn um ihn links und rechts gestandene Schnitzmesser aufgeben müssen, hat das Schicksal herausgefordert und gewonnen. Ben. Ben, der Mann, der unter anderem dafür bekannt ist, immer etwas für den Rest des Tisches übrigzulassen, schaffte im Angesicht dessen, dass wohl kein anderer sein Schnitzel würde aufessen können, das Unfassbare. Ben schaffte das Riesenschnitzel. Wie gesagt, im Figlmüller werden Legenden geboren, und Ben ist wohl die größte dieser Legenden.
