Der Roiderer war für mich lange Zeit mein Standardrestaurant, wenn es irgendetwas zu feiern gab. Daher war es mir ein Anliegen, dieses für mich so wichtige Restaurant, in dem Taufen, Geburtstage und Abschlüsse gefeiert wurden, was ich stets in Ehren gehalten habe, den anderen nahezubringen.
Bekannt ist es wohl vor allem dadurch, dass der „Roiderer“, der Betreiber des Gastwirts, auch das Hackerzelt auf der Wiesn bewirtet. Entsprechend frequentiert ist das Restaurant auch stets.
Da ich, wie gesagt, häufiger da war, ist der erste Eindruck natürlich kein echter erster Eindruck. Es ist ein lauer Spätsommerabend, wir haben im Biergarten reserviert. Gewohnt freundlich werden wir am Eingang begrüßt und zu unserem Tisch in der Mitte des Biergartens geführt. Es ist ein Montag, trotzdem ist das große Gelände gut gefüllt. Die Tische sind aus Massivholz, über uns ist eine große, grüne Markise ausgefahren. Neben uns steht ein Heizpilz bereit, uns im Falle einer Abkühlung zu erwärmen. Das Ambiente ist innen natürlich schöner, urig und doch zugleich modern, aber auch hier draußen lässt es sich gut aushalten. An den Wänden stehen einzelne Boxen, wie auf der Wiesn, alles aus einem schönen Nussbraunem Holz und dunkelgrünen Akzenten in Form von Dekoobjekten, Markisen oder Gardinen.
Unser Ober für den Abend, ein hochgewachsener, sehr freundlicher Mittdreißiger mit leichtem Osteuropäischem Akzent bringt uns unsere Karten. Sonst bräuchte ich keine Karte, meine Bestellung ist meist schon klar, wenn ich die Haustür hinter mir zuziehe. Doch so nicht heute. Es sollen nicht nur Schnitzel auf dem Tisch stehen. Ich weiß ja außerdem, dass hier stets alles schmeckt, also ändere ich zumindest meine Hauptspeise. Statt des hervorragenden Wiener Schnitzels werde ich mir diesmal die Ochsenfetzen in Pfeffersoße an Bratkartoffeln zu Gemüte führen. Die Vorspeise kann ich nicht ändern, ich muss einfach den Blattsalat mit gebackenem Ziegenkäse und Honig nehmen. Diese Kombination muss die reale Götterspeise, Honig und Ambrosia, sein.
Das Bier kommt frisch gezapft aus dem Fass, und so gut schmeckt es auch. Die Vorspeise kommt und die bekannte Kombination aus dem salzigen Ziegenkäse, dem süßen Honig und dem säurehaltigen Dressing ist, wie ich es schon gerade gesagt habe, unschlagbar lecker. Der Teller ist schnell leer, und bald darauf kommt auch schon die Hauptspeise. Die Ochsenfetzen sind zart, die Soße hat eine wunderbare Viskosität und Würzung, nur die Pfefferkörner dadrin sind mir persönlich ein wenig zu arg. Ich sage dazu, das ist das erste Mal, dass ich eine Pfefferkornsoße esse. Handwerklich ist sie trotzdem top, nur für meinen persönlichen Geschmack ist jeder Bissen auf ein Pfefferkorn, wenn dieser nicht wirklich scharfe, aber trotzdem leicht stechende Pfeffergeschmack einen trifft, den man sonst nur in der Nase hat, wenn man Pfeffer mahlt, zu stark. Die Bratkartoffeln sind leider ein wenig lätschert, zwar gut gewürzt mit Salz, Pfeffer und Kümmel, aber einfach nicht richtig knusprig, so wie man Bratkartoffeln gerne hätte. Trotzdem, ich genieße das Essen und erfreue mich meines Glücks, mit meinen besten Freunden ein gutes Mahl teilen zu dürfen.
Nachdem der Hauptgang bei allen abserviert wurde, bilden sich Teams, eins davon das Wir-teilen-uns-einen-Kaiserschmarrn-Team. Ich bin mit von der Partie, und wir ordern zum Absacken noch einen Kaiserschmarrn. Der Kaiserschmarrn ist so wie man ihn sich wünscht. Luftig, nicht zu süß, knusprige, karamellisierte Stücke, begleitet von Apfelmus, welches den Spaß vollkommen macht.
Die Mannschaft ist glücklich, und ich erst, dass auch im Stammtisch „mein“ Roiderer gut angekommen ist.
Beim Zahlen erzählt uns unser Ober noch eine Geschichte von einem Kunden mit zu viel Geld, und einem vierstelligen Trinkgeldbetrag. Geld müsste man haben.
