Der Figlmüller ist kein unbekannter Name in der Wiener Gastronomie. Sein Name taucht in zahlreichen Reise- und Speise-Empfehlunglisten auf, das „Figlmüller Schnitzel“ ist weltbekannt und zu den Stoßzeiten bilden sich lange Touristenschlangen vor seinem Eingang. Bei solch einem Ruf sind wir oftmals skeptisch, ob das Restaurant wahre Kulinarik bietet, oder nur durch Marketing und Massenabfertigung seine Berühmtheit gewann. Also machten wir uns auf den Weg um dieser Frage auf den Grund zu gehen.
Dort angekommen fällt erst einmal auf, dass das Ambiente dieses Etablissement schon einmal positiv hervorzuheben ist. Das Gebäude ist in mehrere, kleinere Räume aufgeteilt. Ebenso sind die Tische durch kleine Trennwände aufgeteilt. Dieses Konzept sorgt zusammen mit der Einrichtung, welche eine gelungene Mischung aus rustikal und modern bildet, für eine gemütliche und gesellige Atmosphäre. Nachteil dieses Konzepts ist, dass die Trennwände das Kellnern erschweren, was sich bei uns jedoch als kein großes Problem herausstellte. Außerdem gab es leider keine Musik – vielleicht ist dies auch gar nicht möglich, weil es trotz der Raumtrennung ziemlich laut war. Insgesamt überwiegen dennoch die positiven Punkte beim Ambiente deutlich, man fühlt sich halt einfach wohl.
Kaum bestellt, kam die kräftige Rindersuppe vom Tafelspitz mit Griessnockerl an den Tisch. Diese einfache Suppe war geschmacklich sehr gut, ohne zu viel zu wollen – genau das was ich zur Vorspeise wollte.
Auf das Hauptgericht mussten wir dann leider deutlich länger warten. Es gibt beim Warten immer diesen einen Moment, wo man sich sagt: „Jetzt sollte das Essen aber wirklich mal kommen“, genau dies ist auch unserem freundlichen Kellner aufgefallen, der daraufhin Druck gemacht hat, damit wir unser Essen bekommen. Und tatsächlich kamen kurz nach dem sich der Kellner für uns einsetzte auch die Speisen. Auch über den restlichen Abend hinweg war der Service aufmerksam.
Wer sich für das Schnitzel interessiert sollte zu den anderen Bewertungen schauen, denn ich hatte eine glacierte Kalbsleber mit gebackenen Zwiebelringen und Bratapfel. Der spezielle Lebergeschmack, den ich hier zum ersten Mal erfahren durfte, ist nicht mein persönlicher Geschmack. Die Kombination aus dem speziellen Lebergeschmack zusammen mit der Süße entfaltet jedoch ein ausgezeichnetes Erlebnis auf dem Gaumen. Dieses Mahl hat richtig Freude gemacht! Als Beilage gab es Röstkartoffeln. Diese waren aufgrund des Kümmel Geschmacks zu Beginn ein sehr interessantes Erlebnis, doch auf lange Sicht konnten sie mich nicht begeistern.
Alles in allem hatte ich viel Spaß bei meinem Besuch. Die Frage ist nun beantwortet: Der Figlmüller (Bäckerstraße) ist keine Touristenfalle sondern ein vorbildliches Restaurant.
Die Preise sind eigentlich fair, aber dass man für jede Kleinigkeit, wie Ketchup, extra zahlen muss, ist nervig.
Vegetarische Optionen sind gering, aber existent.
7,5/10
