Geisterstadt

Bone's Hjørring

von Nico · besucht am 14.07.2025

Persönliche Endnote 4,0 / 10

Beim Bone’s Hjørring spukt es.
Schon der Weg zu diesem Restaurant führt durch eine menschenleere dänische Stadt, deren hübsche Innenstadt wie ein Schatten ihrer selbst wirkt. Die breiten Straßen könnten problemlos zwei Panzerkolonnen aufnehmen, doch wo sind die Menschen? Die Fenster der umliegenden Häuser sind dunkel und geben kein Zeichen von Leben. Ein mulmiges Gefühl überkommt uns, während wir schließlich beim Bone’s ankommen — dem einzigen Ort, an dem wir noch andere Menschen erblicken: eine Gruppe von etwa einem Dutzend junger Dänen an einem Tisch und das unterforderte Personal des Lokals, das war’s dann aber auch schon an Menschen.

Freundlich empfangen, erhalten wir die Speisekarten, die mich verwirren: Ein etwa 20 cm breites und 80 cm langes Stück Papier mit Anweisungen von 1 bis 4 (?), gefolgt von einer Mischung aus Steaks, Burgern und Salaten – ein chaotisches Wirrwarr in Dänisch und Englisch. Letztlich entscheide ich mich für einen Burger und ein dänisches Bier, während ich einen Herren auf einem E-Roller betrachte, der durch die sonst gänzlich leere Innenstadt fährt.

Zuerst wird das Bier serviert. Es ist nicht das schlechteste, das ich je getrunken habe, aber von gut zu sprechen, wäre übertrieben. Die Burger sind so mittelmäßig, dass ich beim Verfassen dieser Bewertung vermutlich den Geschmack längst vergessen habe.

Plötzlich fährt erneut ein E-Roller vorbei. Ist diese Stadt vielleicht doch nicht so leblos? Ein genauerer Blick auf den Fahrer lässt jedoch eine gruselige Parallele aufblitzen: Er sieht dem ersten sehr ähnlich. Und woher kam er? Aus exakt der selben Richtung. Warum sollte jemand zweimal sinnlos an uns vorbeifahren? Ein schockierender Gedanke schießt mir durch den Kopf: Was, wenn diese gesamte Stadt nur eine Simulation ist? Und der E-Roller-Fahrer soll lediglich den Anschein erwecken, dass es hier normal zugeht.

Ich erinnere mich an die Jugendherberge, in der wir übernachten müssen. Draußen war der Parkplatz voller Autos, aber innen gab es kein Zeichen von Leben. Doch warum sollte uns jemand in eine Fake-Stadt locken? War das hier ein Ort, der von auswärtigen Besucher niemals entdeckt werden sollte? Die anderen Gäste, die Dänen am Tisch, sitzen zu weit entfernt und sprechen eine Sprache, die wir nicht verstehen, weshalb wir sie nicht befragen. Der Kellner ist kaum interessiert an uns. Es erscheint mir extrem merkwürdig, dass alle Kellner einfach nur im Restaurant stehen und nichts tun, während die einzigen zwei Besuchergruppen im Außenbereich alleine gelassen werden.

Nach dem Essen stehen wir draußen, während einer von uns ins Innere eilt, um die Rechnung für den Tisch zu begleichen. Einige Minuten verstreichen. Als er schließlich zurückkehrt, setzen wir unseren Weg fort. Doch nach nur wenigen Metern äußert er eine schockierende Bemerkung. „Diese Rechnung kann doch nicht stimmen“, sagt er, während er fassungslos auf den Zahlungsbeleg starrt. Wir rechnen mehrfach die dänischen Kronen in Euro um, aber das Ergebnis bleibt das Gleiche: Die Kosten sind exorbitant hoch. Entweder das Restaurant ist überteuert, oder wir wurden falsch abkassiert. Schnell kehren wir zurück zum Bone’s, um mit dem Personal zu reden. Die Wahrheit offenbart sich: Die Rechnung war tatsächlich die vom anderen Tisch, den Dänen. Über 100 Euro zu viel sollten wir zahlen. Wir begleichen unsere wirkliche Rechnung, und das Personal verspricht, den Betrag von der falschen Rechnung über PayPal zurückzuerstatten.

Wir verabschieden uns, gehen schlafen und setzen am nächsten Tag unsere Reise fort. Einige Tage später erreicht uns das zurückerstattete Geld. Bis heute frage ich mich, was es mit diesem Ort auf sich hat. Vielleicht ist es auch besser, die Antwort nie zu erfahren.

Mal im ernst: Ambiente der toten Stadt war schon komisch, Essen war mid und das Bier nicht gut. 

Solange man für den richtigen Tisch zahlt, sind die Preise für skandinavische Verhältnisse noch in Ordnung.

4/10

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