Nachdem wir bereits beim letzten Mal bei einem für mich sehr wichtigen Restaurant waren, haben wir es diesmal gleich wiederholt. Der Jägerwirt in Kirchbichl haben wir erst wesentlich später als den Roiderer entdeckt, es jedoch seit dieser Entdeckung fast immer bevorzugt. Die Karte ist in Kirchbichl zwar wesentlich kleiner, doch die Qualität finde ich persönlich noch besser als beim Roiderer. Als wir also auf unsere Liste mit geplanten Restaurants geschaut haben, und Nico mich fragte, „Welcher Jägerwirt ist hier gemeint?“, haben wir uns auf mein Betreiben für den Jägerwirt in Kirchbichl entschieden.
Die Strecke zum Jägerwirt ist, je nach Jahreszeit, ein Abenteuer. Da es Ende September jedoch noch nicht geschneit hat, war der Weg vollkommen in Ordnung. Beim Eintreten wird man freundlich begrüßt und durch eine Holztür in den ersten, kleinen Gastraum geführt. Die Decke ist niedrig, die Einrichtung urig, aber wunderschön und passend. Alte Bilder von Höfen, Bauern und Szenen des bayrischen Landlebens dekorieren die Wände. In der Mitte des Raums steht ein grüner Kachelofen der das Ambiente abrundet. Es spielt keine Musik, lediglich ein vornehmes Tuscheln der anderen Besucher bringt etwas Lautstärke in den Raum. Die freundliche Dame bringt uns an unseren Tisch. Insgesamt wird der Service den ganzen Abend über sehr freundlich sein und uns unsere Wünsche erfüllen. An genau diesem Tisch saß ich schon mit meiner Familie, meinem Opa aus Norddeutschland, Freunden aus Amerika und Australien. Dieser Tisch, so scheint es, bringt mich und meine Liebsten aus aller Welt wohl stets zusammen und beschert mir eine wahnsinnig gute Zeit.
Die Bedienung bringt uns die Karte, und wir lassen über das beschauliche Angebot unsere Augen wandern. „Schweinshaxe für 3 Personen – nur auf Vorbestellung“. Leider habe ich wieder vergessen die Schweinshaxe vorzubestellen, trotz all der Zeiten, wo ich mir das schon vorgenommen habe. Egal, wir finden trotzdem alle recht zügig etwas. Für mich gibt es diesmal den gemischten Salat als Vorspeise und den Wildburger mit Apfelchutney, Bergkäse, Senfschmand und Blaukraut. Experimentell, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Die Vorspeise kommt schnell, und der Salat ist, wie immer, wahnsinnig genial. Diese Balance aus allen verschiedenen Komponenten, Blattsalat, Rote Beete, Kartoffelsalat, Karottensalat, und so weiter, gepaart mit genialen Dressings und Kürbis- bzw. Sonnenblumenkernen, ist einfach herrlich und zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen. Nach der Vorspeise kommt, wie könnte es auch anders sein, die Hauptspeise. Zuerst bekommt Ben sein Rumpsteak mit irgendeiner Art von Bratkartoffeln. Ich probiere, natürlich mit Genehmigung, eine Bratkartoffel und kann meiner Zunge kaum trauen. Ich kann nicht genau beschreiben, was da passiert ist, aber diese Bratkartoffel hat mich in ihren Bann gezogen. Crunch, Salz, Kümmel, Petersilie, und noch so viele andere Dinge explodieren auf meinem Geschmacksorgan. Über den ganzen Besuch hinweg wird sich der ganze Tisch bei Bens Bratkartoffeln bedienen.
Doch zu meinem Essen: Das Experiment ist nicht wirklich gescheitert, aber es war auch nicht erfolgreich. Das Fleisch ist der Hammer, der Käse, die Pommes und das Bun auch. Der Senfschmand macht das ganze Erlebnis spannend, das Blaukraut funktioniert auch noch so irgendwie, aber was mich leider komplett raushaut, ist das Apfelchutney. Die Komponente, von der ich beim Lesen wahnsinnig überzeugt war, holt mich hier leider nicht so richtig ab. Es ist trotzdem ein guter Burger, aber eben nur wenn mir etwas vom Chutney auf den Teller fällt. Fazit: Den Burger nicht nochmal. Für alle, die auf eine etwas andere Form des Burgers stehen, könnte das Gericht aber sehr gut sein. Als wir gerade am Essen sind, bekommt ein Tisch vor uns eine riesige Schweinshaxe serviert, mit Knödeln, Soße und allem was gut ist. Allein der Geruch bringt uns dazu, uns fest vorzunehmen, das nächste Mal die Haxe vorzubestellen.
Vor allem für den Preis, würde ich hier jedes Mal wieder herkommen.
Addendum: Ich war mal wieder mit der Familie hier, und muss, entgegen der Schmankerljägerregeln, auch ohne ein zweites anwesendes Mitglied meine Bewertung ändern. Ich hatte eine Gänseleber, und dieses Gericht war so genial, dass ich die Bewertung für das Essen von 7 auf 8,5 hochschießen muss.
